CCK-Papier oder PCK-Papier?

Derzeit dominieren zwei papierbasierte Lösungen für Trägermaterial (Release-Liner) den Markt für grafische Klebeanwendungen. Die von der AWA durchgeführte globale Marktstudie Pressure-Sensitive Graphic Films 2016 zeigt, dass kaolingestrichenes Kraftpapier (CCK) mit einem Anteil von 44 % und PE-beschichtetes Kraftpapier (PCK) mit einem Anteil von 40 % weltweit die am häufigsten eingesetzten Release-Liner in diesem Marktsegment sind. Weitere eingesetzte Trägermaterial-Lösungen im Grafikmarkt sind Glassine/SCK mit 12 %, Folien mit 3 % und sonstige Papiere mit 1 % Anteil. Die eingesetzten Release Liner Lösungen müssen die Anforderungen der grafischen Industrie an eine gute Dimensionsstabilität, eine hohe Lagenhaftung, eine hohe mechanische Festigkeit und eine ausgezeichnete Stabilität in der Handhabung erfüllen.

Zu den grafischen Klebeanwendungen gehören unter anderem die Bereiche Innen- und Außenwerbung, Markenwerbung, Car Wrapping, Straßen- und Sicherheitskennzeichnungen, Regalauszeichnungen sowie Architektur- und Bauschilder. Die AWA gab für 2015 ein weltweites Volumen von 2,302 Milliarden Quadratmeter für selbstklebende Grafikfolien an. Die Märkte Nordamerika und Europa besitzen einen gemeinsamen Anteil von 54 % am Gesamtmarkt.

CCK-Papiere weit verbreitet in Europa

Bei der Marktakzeptanz in den USA und in Europa zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede. Der AWA Global European Release Liner Study 2016 zufolge hat das CCK-Papier in Europa einen Marktanteil von 77 % und PCK-Papier von 20 %. Demgegenüber erreichen CCK-Papiere in den USA einen Anteil von nur 40 % ( so die AWA Global North America Release Liner Study 2014), während das PCK-Papier mit 49 % an erster Stelle der Verwendung steht.

Der nordamerikanische Markt setzt traditionell sehr hochwertige Grafikfolien wie polymerkalandrierte und gegossene Vinylfolien ein. Aus historischen Gründen besitzen CCK-Papiere in den USA eine „offene“ Rückseite ohne Beschichtung. Dies wirkt sich jedoch negativ auf die Dimensionsstabilität aus. Daher wird selbst bei weniger anspruchsvollen Anwendungen PCK-Papier verwendet, um eine höhere Dimensionsstabilität zu gewährleisten. Mögliche Probleme mit der Planlage sowie feuchtigkeitsbedingte Ausbuchtungen in Mehrschicht-Verbundmaterialien, insbesondere in extremeren Klimazonen, werden somit vermieden. „In den USA besitzen CCK-Papiere heute noch kein gutes Image“, sagt Gunnar Sieber, Manager Product Group Release Liner bei Sappi. „Dies liegt an der geringeren Dimensionsstabilität durch die fehlende Rückseitenbeschichtung. Silikonisierer setzen dort eher PCK-Papier ein.“

Leistungsstärkeres CCK-Papier in Europa

Im Gegensatz zu den USA sind die CCK-Papiere in Europa auf der Rückseite überwiegend gestrichen. In den letzten Jahrzehnten haben Hersteller wie Sappi ihr CCK-Papier zudem umfassend optimiert, um die Dimensionsstabilität fortlaufend zu verbessern. Aufgrund der permanenten Verbesserungen werden CCK-Papiere heute selbst bei sehr anspruchsvollen Anwendungen als Release-Liner erfolgreich eingesetzt. Neben der sehr guten Dimensionsstabilität bieten CCK-Papiere mit einer funktionellen Rückseitenbeschichtung, wie etwa Algro Sol von Sappi, eine exzellente Oberfläche für den Druck von beispielsweise Logos und sorgen außerdem für das verzögerte Eindringen von Feuchte. Dies ermöglicht ein erneutes befeuchten des Papieres, wodurch eine hervorragende Planlage erzielt wird.

Die jüngsten Weiterentwicklungen von CCK-Papieren bringen zahlreiche Leistungsvorteile mit sich. In Tests wurde nachgewiesen, dass bei einer angemessenen Feuchtigkeitskontrolle beim Laminieren von Verbundfolien/Papierlaminaten keine unerwünschten Blasen im Papier auftreten. Aufgrund der Blockierwirkung, die vor dem Eindringen von Verunreinigungen schützt, werden Beeinträchtigungen des Druckbildes auf der Deckfolie verhindert. Zudem werden Probleme, die durch nicht gehärtete Silikontropfen beim Bedrucken der Deckfolie auftreten, weitgehend vermieden. Da das Material beidseitig beschichtet ist, gibt es auf weichen Druckfolien keine mechanischen Prägeeffekte (Orangenhaut). Gleichzeitig stellt dieses Papier aufgrund seiner geringen Feuchtausdehnung eine hervorragende Alternative zu PCK-Papier dar. Dies wird nachhaltig durch die attraktivere Kostenstruktur von CCK-Papier unterstützt.

Weitere Vorteile des CCK-Papiers

„Diese Vorteile erweitern die Anwendungsvielfalt von CCK-Papieren enorm“, ergänzt Sieber. In den USA wird traditionell PCK-Papier in Anwendungen eingesetzt, in denen es nicht immer wirklich notwendig ist. Angesichts der beschriebenen Verbesserungen können PCK-Papiere bei weniger kritischen Anwendungen nun durch dimensionsstabile CCK-Papiere, wie Algro Sol, ersetzt werden. Im Vergleich zu PCK-Papieren bieten FSC- und PEFC-zertifizierte CCK-Papiere eine größere ökologische Nachhaltigkeit, da das Papier im Vergleich zu kunststoffbasierten Materialien problemlos recycelt werden kann. Bei der Produktion der Algro Sol Release Liner kommt Zellstoff zum Einsatz, der aus FSC- und PEFC-zertifizierten Wäldern stammt. Zudem ermöglicht der geringere Silikonverbrauch deutliche Kosteneinsparungen und wirkt sich positiv auf die Ökobilanz aus. Ein wesentlicher Nachteil von PCK-Papieren besteht darin, dass dieses Trägermaterial sich nicht für Anwendungen mit großer Wärmeeinwirkung, wie etwa dem Laserdruck, eignet. Sieber fasst zusammen: „Im Vergleich zum europäischen Markt für grafische Klebeanwendungen setzt der Markt in den USA stärker auf PCK-Papier als Trägermaterial. Angesichts der zahlreichen Optimierungen, die Sappi im Laufe der Jahre bei seinen CCK-Papieren realisiert hat, sind wir davon überzeugt, dass unsere Release Liner als Alternative für PCK viel zu bieten haben.“

CCK und PE für hybride Trägermaterialien

Die Vorteile von CCK- und PCK-Papiere können auch kombiniert werden, so dass hybride Trägermaterialien entstehen. CCK-Papiere mit einer auf der Rückseite extrudierten PE-Schicht gewährleisten auch unter extremen klimatischen Bedingungen eine gute Planlage. Auf diese Weise werden die guten Silikonisiereigenschaften der CCK-Beschichtung mit der starken Feuchtigkeitsbarriere der extrudierten Rückseite kombiniert. Sieber ergänzt: „Diese Lösungen bestehen aus mehreren Schichten und die Verarbeiter können diese kombinieren, um den besten Mix für die jeweilige Anwendung zu erreichen.“

Abschließend merkt Sieber an: „In Europa wurde das CCK-Papier in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Daher ist das rückseitig gestrichene CCK-Papier immer beliebter geworden und hat sich als bewährter Release Liner mit einem wachsenden Marktanteil durchgesetzt. Nur unter extremen Umweltbedingungen, wie etwa bei hoher Luftfeuchtigkeit, bleibt PCK-Papier die erste Wahl. Doch selbst in anspruchsvolleren Umgebungen werden hybride Lösungen aus CCK-Papier mit PE-Beschichtung auf der Rückseite immer beliebter.“